CPNP Meldung: Schritt-für-Schritt Anleitung + typische Fehler, die Zeit und Geld kosten

Wer ein kosmetisches Produkt in der EU auf den Markt bringt, muss es vor dem Inverkehrbringen im Cosmetic Products Notification Portal (CPNP) melden. Ohne gültige CPNP-Notifizierung darf dein Produkt nicht verkauft werden — weder online noch im stationären Handel.
In diesem Leitfaden erfährst du, was die CPNP-Meldung ist, wer sie durchführen darf, welche Angaben erforderlich sind, und welche typischen Fehler dich Zeit und Geld kosten können. Mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung und der Checkliste am Ende bist du optimal vorbereitet.
Was ist die CPNP-Meldung?
Das Cosmetic Products Notification Portal (CPNP) ist das zentrale Online-Portal der Europäischen Kommission für die Meldung kosmetischer Produkte. Es wurde eingeführt, um den Behörden der EU-Mitgliedstaaten einen einheitlichen Überblick über alle auf dem Markt befindlichen Kosmetikprodukte zu geben.
Rechtsgrundlage
Art. 13 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 verpflichtet die verantwortliche Person, bestimmte Produktinformationen vor dem Inverkehrbringen elektronisch an die Kommission zu übermitteln.
Bevor ein kosmetisches Produkt in der EU bereitgestellt wird, muss die verantwortliche Person folgende Informationen elektronisch übermitteln: Produktkategorie, Handelsname, Herkunftsland, Mitgliedstaat der Erstbereitstellung, Kontaktdaten, Rezeptur und Kennzeichnung.
Die CPNP-Meldung ersetzt keine Sicherheitsbewertung (CPSR). Sie setzt voraus, dass deine Product Information File (PIF) vollständig vorliegt. Erst PIF, dann CPNP — nicht umgekehrt.
Wer darf eine CPNP-Meldung durchführen?
Nur die Responsible Person (verantwortliche Person nach Art. 4 EU-VO 1223/2009) oder ein autorisierter Vertreter darf die Meldung im CPNP vornehmen. Das betrifft drei Personengruppen:
Hersteller mit EU-Sitz
Produziert und vertreibt unter eigenem Namen innerhalb der EU.
Importeur
Bringt Produkte aus Drittstaaten in den EU-Markt und übernimmt die Verantwortung.
Bevollmächtigter Vertreter
Von einem Nicht-EU-Hersteller schriftlich benannt, um als RP zu handeln.
Merke
Die Responsible Person haftet im Ernstfall persönlich. Wer im CPNP als verantwortliche Person eingetragen ist, trägt die volle regulatorische Verantwortung für das Produkt — inklusive Rückruf und Schadenersatz.
CPNP Meldung Schritt für Schritt — Praxisanleitung
Die folgende Anleitung führt dich durch alle neun Schritte einer CPNP-Meldung. Bereite alle Unterlagen vor, bevor du das Portal öffnest — das spart Nacharbeit.

Schritt 1: Account im EU Login erstellen
Der Zugang zum CPNP erfolgt über das zentrale EU-Login-System der Europäischen Kommission. Du benötigst eine geschäftliche E-Mail-Adresse und gültige Unternehmensdaten. Die Registrierung und Anmeldung erfolgt direkt über das offizielle CPNP-Portal. Ohne verifizierte Unternehmensinformationen ist kein Zugang möglich.
Schritt 2: Responsible Person registrieren
Im nächsten Schritt registrierst du die verantwortliche Person mit folgenden Pflichtangaben:
- Firmenname (exakt wie auf dem Etikett)
- Vollständige Geschäftsadresse
- Kontaktperson mit Vor- und Nachname
- Telefonnummer
- E-Mail-Adresse
Diese Angaben müssen exakt mit dem Etikett und der PIF übereinstimmen. Abweichungen führen zu Beanstandungen durch die Marktüberwachung.
Schritt 3: Produktkategorie auswählen
Du musst die richtige Produktkategorie im Portal definieren. Die Kategorie bestimmt, welche Expositionsbewertung in der Sicherheitsbewertung angesetzt wird. Typische Kategorien:
Hautpflege
Cremes, Lotionen, Seren, Körperöl
Haarpflege
Shampoo, Conditioner, Haaröle
Dekorative Kosmetik
Make-up, Lippenstift, Nagellack
Sonnenschutz
Sonnencreme, After-Sun-Produkte
Falsche Kategorie = falsche Expositionsbewertung. Das kann dazu führen, dass die gesamte Sicherheitsbewertung überarbeitet werden muss.
Schritt 4: Produktidentifikation
Folgende Angaben sind bei der Produktidentifikation erforderlich:
- Handelsname des Produkts
- Produktart (Leave-on, Rinse-off, etc.)
- Mitgliedstaat der Erstbereitstellung
- Verpackungsart (Tube, Tiegel, Flasche, Spender)
Schritt 5: Rezeptur hochladen
Die Rezeptur ist das Kernstück der CPNP-Meldung. Das Portal verlangt eine vollständige quantitative Zusammensetzung:
- Alle Inhaltsstoffe mit INCI-Bezeichnungen
- Exakte Konzentrationen in Prozent
- CAS-Nummern (bei regulierten Stoffen erforderlich)
- Korrekte Angabe von Duftstoffallergenen
Achtung — Häufigste Fehlerquelle
Das Rezepturformat muss exakt stimmen. Hier entstehen die meisten Fehler: falsche Prozentangaben, inkonsistente INCI-Bezeichnungen oder fehlende Duftstoffallergene. Prüfe die Rezeptur dreifach, bevor du sie hochlädst.
Schritt 6: Kennzeichnung (Label) hochladen
Das CPNP verlangt ein Foto oder PDF deines Etiketts. Folgende Elemente müssen vollständig lesbar sein:
- Vollständige INCI-Liste
- Alle vorgeschriebenen Warnhinweise
- Mindesthaltbarkeitsangabe (PAO oder MHD)
- Chargenkennzeichnung (oder Platzhalter)
- Name und Adresse der Responsible Person

Label und Rezeptur müssen identisch sein. Die INCI-Liste auf dem Etikett muss die exakt gleichen Inhaltsstoffe in der gleichen Reihenfolge enthalten wie die im Portal hinterlegte Rezeptur.
Schritt 7: Nanomaterialien (falls zutreffend)
Enthält dein Produkt Nanomaterialien (z. B. Nano-Titandioxid oder Nano-Zinkoxid in Sonnenschutzprodukten), ist eine separate Meldung erforderlich. Diese muss sechs Monate vor dem Inverkehrbringen erfolgen (Art. 16 EU-VO 1223/2009).
Schritt 8: Giftinformationszentrum-relevante Daten
Die im CPNP hinterlegte Rezeptur wird den nationalen Giftinformationszentren zur Verfügung gestellt. Im Vergiftungsfall können Ärzte so schnell die relevanten Inhaltsstoffe und deren Konzentrationen abrufen. Diese Daten sind für die Notfallbehandlung kritisch.
Schritt 9: Meldung absenden
Nach dem Absenden erhältst du eine Referenznummer. Diese Nummer dient als Nachweis der Notifizierung und sollte zusammen mit der PIF archiviert werden.
Wichtig
Die CPNP-Meldung bestätigt nicht die Konformität deines Produkts. Sie ist eine Mitteilung, keine Genehmigung. Die Verantwortung für die Produktsicherheit liegt weiterhin bei der verantwortlichen Person.
CPNP erforderliche Angaben — Checkliste
Bereite alle folgenden Unterlagen vor, bevor du die CPNP-Meldung startest. Fehlende Dokumente führen zu Unterbrechungen und Nacharbeit:
CPNP-Meldung — Vorbereitungscheckliste
- Vollständige Rezeptur (quantitativ, mit INCI und Konzentrationen)
- Sicherheitsbewertung (CPSR) abgeschlossen und unterzeichnet
- Product Information File (PIF) vollständig zusammengestellt
- Produktkategorie korrekt definiert und dokumentiert
- Label finalisiert und als hochauflösende Datei verfügbar
- Responsible Person korrekt benannt (identisch mit Etikett)
- Label-Bilder in guter Qualität (lesbar, vollständig, nicht abgeschnitten)
Typische Fehler bei der CPNP-Meldung
Die folgenden Fehler kosten Zeit und führen regelmäßig zu Rückfragen durch Behörden oder Handelspartner. Vermeide sie, indem du deine Unterlagen vor der Meldung systematisch prüfst.

Inkonsistente INCI-Bezeichnungen
Die Rezeptur enthält "Aqua", aber das Label zeigt "Water". Beides ist nicht falsch, aber kombiniert inkonsistent. Es muss einheitlich die INCI-Nomenklatur verwendet werden.
Label passt nicht zur Rezeptur
Die Rezeptur wurde geändert, aber das hochgeladene Label entspricht noch der alten Version. Jede Rezepturänderung erfordert ein aktualisiertes Etikett.
Falsches Rezepturformat
Prozentangaben fehlen oder sind falsch formatiert. Konzentrationen als Bereiche statt exakte Werte angegeben. Duftstoffallergene nicht einzeln deklariert.
Fehlende oder unleserliche Label-Bilder
Abgeschnittene Fotos, zu niedrige Auflösung oder fehlende Rückseite. Das gesamte Etikett muss vollständig und lesbar sein.
Falsche Responsible Person
Der Importeur ist nicht korrekt als verantwortliche Person eingetragen, oder die Adresse weicht vom Etikett ab.
Varianten nicht sauber getrennt
Unterschiedliche Farben oder Düfte brauchen separate Meldungen, wenn sich die Zusammensetzung unterscheidet. Nur identische Rezepturen können als Schattierungen zusammengefasst werden.
Warum strukturierte Daten entscheidend sind
Die meisten Probleme bei der CPNP-Meldung entstehen nicht im Portal selbst, sondern davor. Typische Ursachen:
- Excel-Versionen der Rezeptur stimmen nicht überein
- Die Rezepturdatei ist veraltet oder wurde manuell überschrieben
- Das Label wurde nicht mit der aktuellen Rezeptur synchronisiert
- Die Sicherheitsbewertung (CPSR) basiert auf einer alten Rezepturversion
- Rohstoffdaten (INCI, CAS) sind in verschiedenen Dokumenten unterschiedlich
Ohne saubere Versionskontrolle und eine zentrale Datenverwaltung wird die CPNP-Meldung zur Fehlerquelle. Jede Inkonsistenz zwischen Rezeptur, Label und PIF kostet Zeit — und im schlimmsten Fall verzögert sie den Markteintritt um Wochen.
Rezepturen zentral verwalten — CPNP-bereit
INCIkit verwaltet deine Rezepturen versioniert mit INCI-Datenbank, Konzentrationen und Chargenrückverfolgung — damit die CPNP-Meldung auf Anhieb stimmt.
CPNP Pre-Launch Checkliste
Prüfe diese Punkte unmittelbar vor dem Launch. Wenn auch nur ein Punkt nicht sauber abgeschlossen ist, wird die Meldung fehleranfällig:
Pre-Launch Prüfung vor CPNP-Meldung
- Rezeptur final versioniert (keine offenen Änderungen)
- Sicherheitsbewertung (CPSR) auf Basis der finalen Rezeptur aktualisiert
- Label inhaltlich und visuell geprüft (INCI-Reihenfolge, Warnhinweise, RP-Adresse)
- Responsible Person korrekt und identisch in PIF, Label und CPNP
- Produktkategorie validiert (konsistent mit CPSR-Expositionsbewertung)
- Chargenkennzeichnung definiert (Format festgelegt)
Fazit
Die CPNP-Meldung selbst ist technisch unkompliziert — das Portal führt dich durch die einzelnen Schritte. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Vorbereitung: Wer Rezeptur, PIF und Label strukturiert verwaltet und Versionshistorien sauber dokumentiert, meldet schneller und fehlerfrei.
Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren:
Zentrale Datenverwaltung
Rezeptur, Label und PIF an einem Ort pflegen, nicht in verteilten Excel-Dateien.
Versionskontrolle
Jede Rezepturänderung dokumentieren und alle abhängigen Dokumente synchronisieren.
Konsistenzprüfung vor der Meldung
Rezeptur, Label und CPSR systematisch abgleichen, bevor du das Portal öffnest.
Unstrukturierte Dokumentation kostet Wochen. Wer seine Daten im Griff hat, ist in Minuten fertig.
FAQ — Häufige Fragen zur CPNP-Meldung
Ist die CPNP-Meldung kostenpflichtig?
Nein. Die Nutzung des Cosmetic Products Notification Portal (CPNP) ist kostenfrei. Die Europäische Kommission stellt das Portal allen verantwortlichen Personen in der EU ohne Gebühren zur Verfügung. Kosten entstehen gegebenenfalls durch die Erstellung der PIF, die Sicherheitsbewertung (CPSR) oder die Beauftragung eines Regulatory-Dienstleisters.
Muss ich für jede Farbvariante eine eigene CPNP-Meldung machen?
Das hängt von der Zusammensetzung ab. Varianten mit identischer Rezeptur (z. B. nur unterschiedliche Verpackung) können als Schattierungen unter einer Meldung erfasst werden. Unterscheidet sich die Zusammensetzung jedoch (andere Pigmente, andere Duftstoffe), ist eine separate Meldung erforderlich. Prüfe die Rezeptur jeder Variante sorgfältig.
Was passiert, wenn ich mein Produkt ohne CPNP-Meldung verkaufe?
Ein Inverkehrbringen ohne CPNP-Notifizierung verstößt gegen Art. 13 der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Die Marktüberwachungsbehörde kann ein Verkaufsverbot aussprechen, einen Rückruf anordnen und Bußgelder verhängen. Zudem haftet die verantwortliche Person persönlich.
Kann ich die CPNP-Meldung nachträglich ändern?
Ja. Die verantwortliche Person kann bestehende Meldungen im CPNP jederzeit aktualisieren, etwa bei Rezepturänderungen, neuen Handelsmarken oder Änderungen der verantwortlichen Person. Die Aktualisierung muss vor dem Inverkehrbringen der geänderten Version erfolgen.
Brauche ich eine CPNP-Meldung auch für professionelle Kosmetik (Friseursalons)?
Ja. Die CPNP-Meldepflicht gilt für alle kosmetischen Produkte, die in der EU bereitgestellt werden, unabhängig davon, ob sie an Endverbraucher oder professionelle Anwender verkauft werden. Es gibt keine Ausnahme für Professional-Use-Produkte.
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INCIkit Redaktion
Fachredaktion Kosmetik-Compliance
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