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Seife herstellen und verkaufen: Alles was du wissen musst

INCIkit Redaktion16 Min. Lesezeit
Handgemachte Naturseifen mit getrockneten Blüten werden in Kartons verpackt – Seife herstellen und verkaufen

Deine Seifen sind der Hit bei Freunden und Familie – alle schwärmen von der cremigen Textur, dem natürlichen Duft und der liebevollen Verpackung. Aber darfst du deine selbstgemachte Seife einfach so auf dem Weihnachtsmarkt oder bei Etsy verkaufen? Die gute Nachricht: Ja, du darfst Seife selber machen und verkaufen. Die wichtige Nachricht: Seife ist ein Kosmetikprodukt, und dafür gelten klare gesetzliche Regeln. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, was du brauchst – von der Gewerbeanmeldung über die INCI-Liste bis zur CPNP-Meldung. Ohne Juristendeutsch, dafür mit konkreten Kosten, Praxistipps und echten Beispielen.

Du möchtest einen allgemeinen Überblick über alle fünf Schritte, die für jedes Kosmetikprodukt gelten? Dann lies zuerst unseren Leitfaden: Selbstgemachte Kosmetik legal verkaufen. Der vorliegende Artikel geht gezielt auf die Besonderheiten bei Seife ein – insbesondere die spezielle INCI-Nomenklatur bei Verseifung und die Etikettierung kleiner Stückseifen.

Seife = Kosmetikprodukt: Warum die EU-Kosmetikverordnung auch für dich gilt

Viele Hobby-Seifensieder denken: „Ich mache doch nur Seife, kein Parfum oder Lippenstift – brauche ich wirklich all diese Vorschriften?“ Die klare Antwort: Ja. Die EU-Kosmetikverordnung (EC) 1223/2009 definiert ein kosmetisches Mittel als jeden Stoff, der dazu bestimmt ist, äußerlich mit dem Körper in Berührung gebracht zu werden, um ihn zu reinigen, zu parfümieren, sein Aussehen zu verändern oder zu schützen. Seife erfüllt alle diese Kriterien.

Wichtig zu wissen

Es gibt keine Mengengrenze und keine Hobby-Ausnahme. Ob du 10 Stück auf dem Markt verkaufst oder 10.000 über deinen Online-Shop – die gleichen Seife verkaufen Vorschriften gelten. Selbst wenn du Seife nur gegen eine Spende abgibst, kann das als gewerbliche Tätigkeit gewertet werden.

Was bedeutet das konkret? Du brauchst fünf Dinge, bevor du deine erste Seife legal verkaufen darfst:

PflichtWarumKosten
GewerbeanmeldungGewerbepflicht ab dem ersten Verkauf20–60 €
SicherheitsbewertungNachweis, dass dein Produkt sicher ist300–800 €
CPNP-MeldungEU-Produktdatenbank für GiftnotrufzentralenKostenlos
Etikett + INCI-ListeVerbraucherinformation, gesetzlich vorgeschrieben30–100 €
PIF (Product Information File)Zentrale Compliance-Akte, 10 Jahre aufbewahrenNur deine Arbeitszeit

Im Folgenden gehen wir jeden dieser Punkte durch – mit besonderem Fokus auf die Besonderheiten, die speziell für Seifensieder gelten.

Brauche ich ein Gewerbe? Kleingewerbe vs. Einzelunternehmen für Seifensieder

Sobald du Seife gegen Entgelt abgibst, handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit. Das gilt auch für den Verkauf auf dem Flohmarkt, bei Etsy oder über Instagram. Du brauchst eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde. Die Kosten liegen bei 20 bis 60 €.

Kleingewerbe: Der einfachste Einstieg

Die meisten Hobby-Seifensieder starten als Kleingewerbe. Wenn dein Jahresumsatz unter 22.000 € liegt, kannst du die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) nutzen. Das bedeutet:

  • Keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen
  • Keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen
  • Einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) statt Bilanz
  • Kein Mindestkapital, kein Handelsregistereintrag nötig

Praxis-Tipp

Gib bei der Gewerbeanmeldung als Tätigkeit „Herstellung und Vertrieb von kosmetischen Mitteln“ an – nicht nur „Seifenherstellung“. So bist du abgedeckt, wenn du später auch Bodybutter, Lippenbalsam oder Badebomben verkaufst.

Einzelunternehmen oder GbR?

Für den Anfang reicht ein Einzelunternehmen völlig aus. Erst wenn du mit einer Partnerin oder einem Partner zusammen produzierst, kommt eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) in Frage. Bedenke: Bei beiden Formen haftest du persönlich mit deinem Privatvermögen. Eine Produkthaftpflichtversicherung (ab ca. 200 €/Jahr) ist daher dringend empfohlen.

Die Sicherheitsbewertung: Kosten, Ablauf und was der Toxikologe braucht

Die Sicherheitsbewertung ist die wichtigste – und teuerste – Hürde, wenn du Seife herstellen und verkaufen willst. Ein qualifizierter Sicherheitsbewerter (i. d. R. ein Toxikologe, Pharmazeut oder Chemiker) prüft deine Rezeptur und bestätigt, dass das Endprodukt bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher ist.

Was braucht der Toxikologe von dir?

  1. Vollständige Rezeptur mit allen Inhaltsstoffen, INCI-Bezeichnungen und prozentualen Anteilen
  2. Sicherheitsdatenblätter (SDS) und technische Datenblätter (TDS) aller Rohstoffe
  3. Herstellungsbeschreibung (Kaltverseifung, Heißverseifung, Schmelz- und Gießverfahren)
  4. Stabilitätsdaten (Aussehen, Geruch, pH-Wert nach 4, 8 und 12 Wochen)
  5. Geplante Verwendung (Handseife, Körperseife, Haarseife?)

Kosten und Zeitrahmen

Für eine einzelne Seifenrezeptur liegen die Kosten bei 300 bis 800 €. Einfache Seifen mit wenigen, gut dokumentierten Inhaltsstoffen (z. B. Oliven-, Kokos- und Rapsöl) sind günstiger als komplexe Formulierungen mit ätherischen Ölen, Duftmischungen oder exotischen Buttern. Der Zeitrahmen beträgt in der Regel 2 bis 8 Wochen. Mehr Details findest du in unserem Guide zur Sicherheitsbewertung.

Spartipp für Seifensieder

Wenn deine Seifen eine identische Grundrezeptur haben und sich nur in Farbe und Duft unterscheiden, frage deinen Toxikologen nach einem Produktfamilien-Rabatt. Statt 5 × 600 € zahlst du oft nur 600 € für die Grundrezeptur plus je 100–200 € für jede Variante – also ca. 1.400 € statt 3.000 €.

INCI-Liste für Seife: Besonderheiten bei Verseifung

Die INCI-Liste für Seife unterscheidet sich grundlegend von der für eine Creme oder Lotion. Der Grund: Bei der Verseifung reagieren Fette und Öle mit Natronlauge (NaOH) oder Kalilauge (KOH) zu Seife + Glycerin. Die Ausgangsstoffe existieren im Endprodukt nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form.

Rohstoff vs. verseiftes Produkt

In der INCI-Nomenklatur gibt es für jedes Öl eine eigene „Sodium“-Bezeichnung (für NaOH-Seifen) oder „Potassium“-Bezeichnung (für KOH-Seifen):

Rohstoff (Öl)INCI unverseiftINCI verseift (NaOH)
OlivenölOlea Europaea Fruit OilSodium Olivate
KokosölCocos Nucifera OilSodium Cocoate
Shea­butterButyrospermum Parkii ButterSodium Shea Butterate
RapsölBrassica Napus Seed OilSodium Rapeseedate
RizinusölRicinus Communis Seed OilSodium Castorate

Wie erstelle ich die INCI-Liste für meine Seife?

  1. Verseifungsergebnis auflisten: Alle Öle in ihrer „Sodium“-Form, absteigend nach Gewichtsanteil im Endprodukt
  2. Aqua (Wasser) aufführen – auch wenn ein Großteil bei Naturseifen verdunstet, ist es Bestandteil der Rezeptur
  3. Glycerin hinzufügen – entsteht als Nebenprodukt der Verseifung
  4. Überfettungsöle in ihrer unverseiften INCI-Form listen (z. B. Olea Europaea Fruit Oil), da sie nicht reagiert haben
  5. Zusätze wie ätherische Öle, Farbstoffe, Tonerden in der üblichen INCI-Nomenklatur am Ende auflisten

Beispiel: INCI-Liste für eine Lavendel-Naturseife

Sodium Olivate, Sodium Cocoate, Aqua, Glycerin, Sodium Shea Butterate, Olea Europaea Fruit Oil, Lavandula Angustifolia Oil, Linalool, Limonene, CI 77742

Ausführliche Regeln für Konzentrationsgrenzen, Duftstoff-Deklaration und die korrekte Sortierung findest du in unserem INCI-Listen-Guide.

Verschiedene handgemachte Naturseifen in unterschiedlichen Farben und Texturen – Seife selber herstellen und verkaufen

Verschiedene Naturseifen – jede Rezeptur braucht eine eigene INCI-Liste

INCI-Liste für deine Seife in 5 Minuten erstellen

INCIkit hilft dir, die korrekten INCI-Bezeichnungen für verseiftes Öl automatisch zuzuordnen, Rezepturen zu verwalten und Chargen lückenlos zu dokumentieren.

CPNP-Meldung für Seifen – Schritt für Schritt

Das Cosmetic Products Notification Portal (CPNP) ist die EU-Datenbank, in der jedes kosmetische Produkt vor dem Inverkehrbringen gemeldet werden muss. Die Meldung ist kostenlos, aber verpflichtend.

So meldest du deine Seife im CPNP

  1. Account erstellen: Registriere dich bei EU Login und beantrage Zugang zum CPNP-Portal
  2. Produktkategorie wählen: Für Festseifen wähle „Bar Soap“ unter „Skin Cleansing Products“
  3. Rahmenrezeptur hochladen: Du kannst die vordefinierte Rahmenrezeptur für Seifen nutzen oder deine individuelle Rezeptur eintragen
  4. Etikett-Bild hochladen: Ein Foto oder Gestaltungsentwurf deines fertigen Etiketts
  5. Verantwortliche Person angeben: Das bist du als Gewerbetreibender

Häufiger Fehler

Viele Seifensieder wählen die falsche Produktkategorie (z. B. „Hand Wash“ statt „Bar Soap“). Das kann bei einer Kontrolle Probleme verursachen. Prüfe die Kategorie sorgfältig.

Eine detaillierte Anleitung mit Screenshots findest du in unserem CPNP-Meldung-Guide. Der gesamte Prozess dauert etwa 1 bis 3 Stunden, wenn du alle Unterlagen vorbereitet hast.

Etikett: Pflichtangaben auf kleinen Seifen-Labels

Das Etikett deiner Seife muss nach Art. 19 der EU-Kosmetikverordnung folgende Informationen enthalten:

1

Funktion

z. B. „Handseife“ oder „Körperseife“ – falls nicht offensichtlich

2

Name und Anschrift

der Verantwortlichen Person (also deine Firma + Adresse)

3

Nenninhalt

in Gramm für feste Seifen (z. B. „100 g“)

4

MHD oder PAO

Mindesthaltbarkeitsdatum (Sanduhr-Symbol) oder PAO (offener Tiegel, z. B. „12M“)

5

Vorsichtsmaßnahmen

z. B. „Augenkontakt vermeiden“ bei ätherischen Ölen

6

Chargennummer

Eindeutige Batch-Nummer (z. B. „260317-01“)

7

INCI-Liste

Vollständige Liste aller Inhaltsstoffe in INCI-Nomenklatur

8

Ursprungsland

Nur bei Import von außerhalb der EU

Platzmangel bei kleinen Seifen

Handgemachte Stückseifen sind oft klein – 50 bis 100 g. Auf einem Etikett von 5 × 3 cm passen nicht immer alle Angaben. Die Mindestschriftgröße für die INCI-Liste beträgt 1,2 mm x-Höhe. Bei Verpackungen unter 10 g darfst du bestimmte Angaben auf ein Beipackblatt oder eine Verkaufsanzeige auslagern. Für die meisten Stückseifen (50–100 g) müssen aber alle Angaben auf dem Etikett stehen.

Praxis-Tipp: Banderole + Beiblatt

Viele Seifensieder nutzen eine Banderole um die Seife mit den wichtigsten Angaben (Name, Gewicht, Chargennummer) und ein gedrucktes Beiblatt mit INCI-Liste und Anschrift. Solange beides untrennbar mit dem Produkt verbunden ist (z. B. in Folie eingeschweißt oder als Anhänger), ist das zulässig.

Verkaufskanäle: Markt, Etsy, eigener Shop – was passt zu dir?

Du hast deine Seife produziert, alle Dokumente sind vollständig – jetzt geht es ans Verkaufen. Welcher Kanal passt zu deiner Situation?

KanalVorteileNachteileStartkosten
Wochenmarkt / WeihnachtsmarktDirekter Kundenkontakt, Feedback, niedrige EinstiegshürdeStandgebühren, Wetterabhängigkeit, Reisegewerbekarte50–300 €/Markt
Etsy / Amazon HandmadeGroße Reichweite, bestehende KäuferschaftProvisionen (6,5 % bei Etsy), starke Konkurrenz0,20 €/Listing
Eigener Online-ShopVolle Kontrolle, keine Provisionen, eigene MarkeHöherer Aufwand (SEO, Versand, Recht), Traffic selbst aufbauen30–50 €/Monat
Einzelhandel (Unverpacktläden, Hofcafés)Stabiler Absatz, lokale PräsenzGroßhandelspreise (50–60 % des VK), LieferpflichtenProben + Verkaufsunterlagen

Für Einsteiger empfohlen: Markt + Etsy kombinieren

Die meisten erfolgreichen Seifenmanufakturen starten mit einer Kombination: 2–3 lokale Märkte pro Monat für den direkten Kundenkontakt und ein Etsy-Shop für die Online-Reichweite. So testest du deine Produkte am Markt, sammelst Bewertungen und baust gleichzeitig eine Online-Präsenz auf. Erst wenn der monatliche Umsatz stabil über 1.000 € liegt, lohnt sich ein eigener Online-Shop.

Wichtig: Egal über welchen Kanal du verkaufst – die Dokumentationspflichten bleiben gleich. Jede verkaufte Charge muss rückverfolgbar sein. Unser GMP-Leitfaden nach ISO 22716 erklärt, wie du die Gute Herstellungspraxis auch als Kleinstproduzent einhältst.

Praxis-Beispiel: Von der Küche zur Seifenmanufaktur

Handgemachte Naturseife wird auf einem Holztisch mit Kräutern geschnitten – Seife selber herstellen und verkaufen

Vom Schneiden der Seife bis zum fertigen Produkt – der Weg zur eigenen Seifenmanufaktur

Lisa (32) aus Freiburg hat vor drei Jahren angefangen, Naturseifen in ihrer Küche herzustellen. Was als Hobby für Weihnachtsgeschenke begann, ist heute ein Nebengewerbe mit ca. 800 € Umsatz pro Monat. So hat sie es gemacht:

Monat 1–2

Rezeptur perfektionieren

Lisa hat 6 verschiedene Rezepturen getestet und sich auf 3 Grundrezepturen festgelegt: eine reine Olivenölseife (Castile), eine Dreifach-Öl-Seife (Olive/Kokos/Raps) und eine Sheabutter-Luxusseife. Stabilitätstests über 12 Wochen.

Monat 3

Bürokratie erledigen

Gewerbeanmeldung (35 €), Sicherheitsbewertung für 3 Grundrezepturen als Produktfamilie (900 €), Produkthaftpflichtversicherung (220 €/Jahr). Parallel: INCI-Listen erstellt und Etiketten gestaltet.

Monat 4

CPNP-Meldung + PIF

8 Produkte (3 Grundrezepturen × verschiedene Düfte) im CPNP gemeldet. PIF für jedes Produkt in einem digitalen Ordner zusammengestellt: Rezeptur, Sicherheitsbewertung, Rohstoff-SDS, Herstellungsbeschreibung, Stabilitätsdaten.

Monat 5

Erster Verkauf

Erster Weihnachtsmarkt: 120 Stück Seife verkauft (Umsatz: 840 €). Gleichzeitig Etsy-Shop gestartet. Die Gesamtinvestition bis zum ersten Verkauf: ca. 1.500 € (inkl. Rohstoffe, Formen, Bürokratie).

Heute

Stabiles Nebengewerbe

8 Märkte pro Jahr, 60 % des Umsatzes über Etsy, 15 verschiedene Seifen im Sortiment. Dank systematischer Dokumentation (digitale Chargenrückverfolgung, INCI-Datenbank) braucht Lisa pro neuem Produkt nur noch 2 Stunden für die gesamte Bürokratie.

Lisas wichtigster Tipp: „Starte mit wenigen Rezepturen und mach die Bürokratie einmal richtig. Das spart später enorm viel Zeit und Nerven.“

Häufige Fragen (FAQ)

Darf ich selbstgemachte Seife verkaufen?

Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Seife ist ein kosmetisches Mittel und fällt unter die EU-Kosmetikverordnung (EC) 1223/2009. Du brauchst eine Gewerbeanmeldung, eine Sicherheitsbewertung durch einen Toxikologen, eine CPNP-Meldung, ein korrektes Etikett mit INCI-Liste und ein vollständiges Product Information File (PIF). Es gibt keine Ausnahme für kleine Mengen oder Hobby-Hersteller.

Was kostet es, eine Seife für den Verkauf zuzulassen?

Für dein erstes Seifen-Produkt solltest du mit 400 bis 1.000 € rechnen. Der größte Posten ist die Sicherheitsbewertung (300–800 €). Hinzu kommen Gewerbeanmeldung (20–60 €), Etiketten (30–100 €) und optional Stabilitätstests. Die CPNP-Meldung ist kostenlos. Ab dem zweiten Produkt wird es deutlich günstiger, weil Seifen mit ähnlicher Grundrezeptur rabattiert bewertet werden können.

Brauche ich für Seife ohne Wasser einen Challenge-Test?

Klassische Naturseifen (Kaltseifen) enthalten kein freies Wasser und haben einen hohen pH-Wert, der mikrobielles Wachstum hemmt. In der Regel ist daher kein Challenge-Test (Konservierungsbelastungstest) erforderlich. Der Sicherheitsbewerter entscheidet im Einzelfall. Bei Flüssigseifen oder Seifen mit zugesetztem Wasser sieht es anders aus – hier ist ein Challenge-Test fast immer Pflicht.

Was ist der Unterschied zwischen Sodium Olivate und Olea Europaea Fruit Oil in der INCI-Liste?

Olea Europaea Fruit Oil ist die INCI-Bezeichnung für reines Olivenöl. Sodium Olivate bezeichnet das Natriumsalz der Olivenöl-Fettsäuren – also das Produkt, das bei der Verseifung von Olivenöl mit Natronlauge entsteht. In der INCI-Liste deiner fertigen Seife verwendest du Sodium Olivate, nicht das reine Öl, weil sich der Rohstoff durch die chemische Reaktion verändert hat.

Kann ich Seife auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen?

Ja, aber du brauchst dieselben Dokumente wie für den Online-Verkauf: Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung, korrektes Etikett und PIF. Zusätzlich brauchst du eine Reisegewerbekarte oder einen festen Marktstand-Vertrag. Behörden kontrollieren Weihnachtsmärkte regelmäßig – ein Bußgeld für fehlende Dokumente kann mehrere Tausend Euro betragen.

Fazit: Seife selber machen und verkaufen – so startest du richtig

Seife selber machen und verkaufen ist absolut machbar – wenn du die Spielregeln kennst. Seife ist ein Kosmetikprodukt und fällt unter die EU-Kosmetikverordnung. Das bedeutet: Gewerbeanmeldung, Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung, korrektes Etikett mit INCI-Liste und ein vollständiges PIF. Die Besonderheit bei Seife: Die INCI-Nomenklatur für verseiftes Öl (Sodium Olivate statt Olea Europaea Fruit Oil) und die Herausforderung, alle Pflichtangaben auf ein kleines Etikett zu bringen.

Der größte Fehler, den du machen kannst: gar nicht erst anfangen, weil dich die Vorschriften abschrecken. In der Praxis schaffen es die meisten Seifensieder innerhalb von 3 bis 5 Monaten, alle Voraussetzungen zu erfüllen. Und wenn du erst einmal die erste Seife legal verkauft hast, wird jedes weitere Produkt deutlich einfacher. Mehr zu den allgemeinen Schritten für alle Kosmetikprodukte findest du in unserem Überblick zur EU-Kosmetikverordnung 2026.

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Weiterführende Ressourcen

INCIkit Redaktion

Fachredaktion Kosmetik-Compliance

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