Lippenpflege, Badebomben & Co: Die besten Einstiegsprodukte für dein Kosmetik-Business

Du willst dein eigenes Kosmetik-Business starten – aber welches Produkt eignet sich am besten für den Anfang? Ob Lippenpflege selber machen und verkaufen, Badebomben gießen oder Körperöle mischen: Die Auswahl an einfachen Kosmetikprodukten ist groß – aber nicht jedes Produkt ist gleich gut für Einsteiger geeignet.
Wir vergleichen 6 Produktkategorien anhand von 4 Kriterien: Komplexität der Herstellung, Startkosten, Haltbarkeit und regulatorischer Aufwand. So findest du das perfekte Kosmetik Anfänger Produkt für deinen Einstieg – realistisch, ehrlich und ohne rosa Brille.
Noch nicht sicher, ob du deine Kosmetik überhaupt verkaufen darfst? Dann starte mit unserem Leitfaden: Selbstgemachte Kosmetik legal verkaufen. Und wer direkt wissen möchte, was der Einstieg kostet, findet die Antwort in unserem Guide zur Gewerbeanmeldung für Kosmetik.

Die Produktvielfalt ist groß – doch welche Kategorie passt zu deinem Start?
Bewertungskriterien: Worauf es beim Einstiegsprodukt ankommt
Bevor wir die einzelnen Kategorien durchgehen, hier unsere 4 Bewertungskriterien. Jedes Produkt wird danach bewertet, wie gut es für Kosmetik Anfänger geeignet ist:
Komplexität der Herstellung
Wie viele Zutaten, Arbeitsschritte und spezielle Geräte brauchst du? Einfache Schmelz-und-Gieß-Rezepturen schlagen aufwendige Emulsionen.
Startkosten (Rohstoffe + Ausstattung)
Was kostet die Erstausstattung? Wir rechnen mit kleinen Chargen (50–100 Stück) und berücksichtigen Verpackung, Rohstoffe und Werkzeug.
Haltbarkeit & Konservierung
Wasserfreie Produkte halten länger und brauchen keine Konservierung. Wasserhaltige Produkte (Cremes, Lotions) sind deutlich anspruchsvoller.
Regulatorischer Aufwand
Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung und PIF sind für alle Produkte Pflicht. Aber manche Rezepturen machen die Bewertung einfacher und günstiger als andere.
Wichtig: Gleiches Recht für alle
Egal ob Lippenbalsam oder Gesichtscreme – die EU-Kosmetikverordnung (EC) 1223/2009 gilt für jedes Produkt, das du verkaufst. Du brauchst immer: Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung, PIF, korrekte Etikettierung und GMP-konforme Dokumentation. Die Unterschiede liegen in der Komplexität der Rezeptur – nicht in den rechtlichen Pflichten.
Kategorie 1: Feste Seifen – Der Klassiker für Einsteiger
Feste Seifen (Kaltverseifung)
Warum Seifen? Feste Seifen sind das beliebteste Einstiegsprodukt – und das aus gutem Grund. Die Grundrezeptur besteht aus nur 3–4 Zutaten (Fette/Öle, Lauge, Wasser, optional Duft), die Herstellung per Kaltverseifung ist nach wenigen YouTube-Tutorials erlernbar und das Ergebnis hält bei richtiger Lagerung 12–24 Monate.
Startkosten: Ca. 150–300 € für Rohstoffe, Seifenformen, Schutzausrüstung und die ersten 50 Stück. Plus Fixkosten (Sicherheitsbewertung, Gewerbeanmeldung).
Achtung: Verseiftes Öl wird anders deklariert als das Ausgangsöl (z. B. „Sodium Olivate“ statt „Olea Europaea Fruit Oil“). Mehr dazu in unserem Seifen-Guide.
Kategorie 2: Lippenpflege – Klein, einfach, beliebt
Wer Lippenpflege selber machen und verkaufen möchte, startet mit einem der dankbarsten Einstiegsprodukte überhaupt. Lippenbalsam besteht typischerweise aus Bienenwachs, Sheabutter und einem Trägeröl – 3 Zutaten, die du im Wasserbad schmilzt, in Hülsen oder Tiegel gießt und abkühlen lässt.

Lippenbalsam in der Dose – wenige Zutaten, große Wirkung
Lippenbalsam & Lip Scrubs
Warum Lippenpflege? Minimale Zutatenliste, kein Wasser = keine Konservierung, winzige Verpackungen (4–15 ml) und niedrige Rohstoffkosten. Ein einzelner Lippenbalsam kostet in der Herstellung ca. 0,30–0,80 € – der Verkaufspreis liegt typischerweise bei 3–6 €.
Startkosten: Ca. 100–200 € für Rohstoffe, Hülsen und Etiketten für 100 Stück. Dazu kommen die regulatorischen Fixkosten.
Bestseller-Potenzial: Lippenbalsam ist ein typisches Impulskauf-Produkt – perfekt für Weihnachtsmärkte, Etsy und als Add-on zu größeren Produkten.
Praxis-Tipp: Lip Scrubs als Ergänzung
Lip Scrubs (Lippenpeeling aus Zucker + Öl + Wachs) lassen sich mit denselben Rohstoffen herstellen und verdoppeln dein Sortiment ohne zusätzliche Sicherheitsbewertung – vorausgesetzt, die Rezeptur fällt unter dieselbe Produktkategorie. Frag deinen Safety Assessor, ob eine Gruppenbewertung möglich ist.
Kategorie 3: Badebomben & Badekugeln – Fun-Faktor, aber Achtung!
Badebomben verkaufen klingt verlockend: bunte Farben, Instagram-taugliche Fotos und ein Trend-Produkt, das sich auf Märkten und bei Etsy wie von selbst verkauft. Aber: Badekugeln verkaufen ist regulatorisch genauso anspruchsvoll wie jedes andere Kosmetikprodukt – und es gibt ein paar Stolperfallen.

Badebomben herstellen: Schutzhandschuhe sind bei der Arbeit mit Zitronensäure und Natron Pflicht
Badebomben & Badekugeln
Grundrezeptur: Natron + Zitronensäure + Speisestärke + Öl + optionale Farbe/Duft. Die Herstellung ist ein Schmelz-und-Press-Verfahren – technisch einfach.
Startkosten: Ca. 100–250 € für Rohstoffe und Formen für 50–100 Stück. Die Rohstoffkosten pro Stück liegen bei 0,50–1,50 €.
Vorsicht bei Farbstoffen: Nicht jeder Lebensmittelfarbstoff ist für Kosmetik zugelassen. Nur Farbstoffe aus Anhang IV der EU-Kosmetikverordnung dürfen verwendet werden. Fehler hier können die Sicherheitsbewertung blockieren.
Vorsicht bei ätherischen Ölen: Viele beliebte Düfte (Lavendel, Zimt, Nelke) enthalten deklarationspflichtige Allergene. Details dazu findest du in unserem Guide zu den Änderungen 2026.
Kategorie 4: Feste Shampoos – Trend-Produkt mit Potenzial
Feste Shampoos (Syndet-Bars)
Warum der Hype? Feste Shampoos liegen im Nachhaltigkeits-Trend: plastikfrei, ergiebig (1 Bar = ca. 60–80 Haarwäschen) und transportfreundlich. Der Markt wächst – aber die Herstellung ist anspruchsvoller als bei Seifen.
Herausforderung: Feste Shampoos basieren auf Tensiden (SCI, SCS), nicht auf Verseifung. Der pH-Wert muss zwischen 5,0 und 5,5 liegen (Kopfhaut-kompatibel), und die Formulierung erfordert Kenntnisse in Tensidchemie. Falsche Zusammensetzung = trockene, ströde Haare = unzufriedene Kunden.
Startkosten: Ca. 200–400 € für Rohstoffe, Pressformen und die ersten 50 Stück. SCI als Haupttensid ist teurer als Seifen-Rohstoffe.
Unser Rat: Starte mit Seifen oder Lippenpflege, sammle Erfahrung mit der Regulierung und erweitere dein Sortiment später um feste Shampoos. Die Sicherheitsbewertung ist bei Tensid-Produkten oft aufwendiger und teurer.
Egal welches Produkt – die Dokumentation muss stimmen
INCIkit hilft dir, Rezepturen digital zu verwalten, INCI-Listen automatisch zu generieren und Mischprotokolle GMP-konform zu dokumentieren – von der ersten Seife bis zum hundertsten Lippenbalsam.
Kategorie 5: Körperöle – Minimale Zutaten, maximale Wirkung

Körperöle bestehen oft aus nur 2–3 Zutaten – ideal für Einsteiger
K\u00F6rper\u00F6le & Massageöle
Das Prinzip: Ein oder mehrere Trägeröle (Mandelöl, Jojobaöl, Arganöl) mischen, optional ätherisches Öl für den Duft hinzufügen, abfüllen – fertig. Keine Erhitzung, kein Schmelzen, keine chemische Reaktion.
Großer Vorteil: Kein Wasser in der Rezeptur = keine Konservierung nötig. Das vereinfacht die Sicherheitsbewertung erheblich und reduziert die Kosten. Ein Antioxidans wie Vitamin E (Tocopherol) verlängert die Haltbarkeit.
Startkosten: Ca. 150–300 € für hochwertige Öle, Glasflaschen und Pipetten für 50 Stück. Der Rohstoffpreis pro Flasche (50 ml) liegt bei 2–5 €, der Verkaufspreis bei 12–25 €.
Marge: Körperöle haben eine der besten Margen unter den Einstiegsprodukten – besonders mit Premium-Ölen und schönem Packaging.
Kategorie 6: Deo-Cremes – Nische mit treuen Kunden
Nat\u00FCrliche Deo-Cremes
Das Konzept: Natron (Natriumhydrogencarbonat) + Kokosöl + Speisestärke + optional Bienenwachs und ätherische Öle. Keine Aluminiumsalze, keine synthetischen Duftstoffe – das spricht eine wachsende Zielgruppe an.
Warum Nische? Wer einmal ein natürliches Deo gefunden hat, das funktioniert, bleibt dabei – die Wiederkaufrate ist hoch. Typischer Verkaufspreis: 8–15 € für 50 ml.
Herausforderung: Natron kann bei empfindlicher Haut Reizungen verursachen. Dein Safety Assessor wird hier genau hinschauen. Manche Hersteller bieten eine natronfreie Variante an – dann steigt aber die Komplexität der Rezeptur.
Startkosten: Ca. 100–200 € für Rohstoffe und Tiegel für 50 Stück. Deo-Cremes haben geringe Rohstoffkosten (0,50–1,50 €/Stück).
Praxis-Tipp: Immer beide Varianten
Biete wenn möglich eine Variante mit und eine ohne Natron an. So deckst du empfindliche und normale Haut ab. Beide Rezepturen können oft unter einer Gruppenbewertung beim Safety Assessor laufen – das spart Kosten.
Vergleichstabelle: 6 Einstiegsprodukte im Überblick
Hier die Zusammenfassung aller 6 Kategorien – bewertet nach unseren 4 Kriterien. Je mehr Sterne (★), desto besser für Einsteiger:
| Produkt | Einfachheit | Startkosten | Haltbarkeit | Regulierung |
|---|---|---|---|---|
| Feste Seifen | ★★★★ | 150–300 € | 12–24 Mo. | Mittel (INCI speziell) |
| Lippenpflege ★ | ★★★★★ | 100–200 € | 12–18 Mo. | Gering |
| Badebomben | ★★★ | 100–250 € | 6–12 Mo. | Mittel (Farbstoffe) |
| Feste Shampoos | ★★ | 200–400 € | 12–18 Mo. | Hoch (Tenside) |
| Körperöle ★ | ★★★★★ | 150–300 € | 12–24 Mo. | Gering |
| Deo-Cremes | ★★★ | 100–200 € | 6–12 Mo. | Mittel (Hautirritation) |
★ = Unsere Top-Empfehlung für Einsteiger. Startkosten ohne regulatorische Fixkosten (Sicherheitsbewertung, Gewerbe).
Unsere Empfehlung: Starte mit Lippenpflege oder Körperölen, wenn du maximal einfach einsteigen willst. Wer etwas mehr Herausforderung sucht, ist mit festen Seifen bestens bedient – dem absoluten Klassiker unter den einfachen Kosmetikprodukten für Einsteiger.
Egal für welches Produkt du dich entscheidest: Die Etikettierung muss stimmen. Alle 8 Pflichtangaben erfährst du in unserem Etiketten-Guide für handgemachte Kosmetik. Und für die korrekte INCI-Deklaration hilft dir unser Schritt-für-Schritt-Guide zur INCI-Liste.
Häufige Fragen (FAQ)
Welches Kosmetikprodukt ist am einfachsten selbst herzustellen und zu verkaufen?
Feste Seifen und Lippenbalsame gelten als die einfachsten Einstiegsprodukte. Beide sind wasserfrei (bzw. bei Seife nach der Reifung sehr wasserarm), haben eine lange Haltbarkeit und benötigen keine aufwendige Konservierung. Die Rezepturen sind vergleichsweise simpel und die Rohstoffkosten niedrig. Rechtlich gelten aber für beide dieselben Anforderungen: Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung und korrekte Etikettierung nach EU-Kosmetikverordnung.
Brauche ich für Badebomben eine Sicherheitsbewertung?
Ja, absolut. Badebomben sind kosmetische Mittel im Sinne der EU-Kosmetikverordnung (EC) 1223/2009. Das bedeutet: Du brauchst eine Sicherheitsbewertung durch einen qualifizierten Safety Assessor, eine CPNP-Meldung und eine vollständige Product Information File (PIF). Die Kosten für die Sicherheitsbewertung liegen bei 300–800 € pro Rezeptur.
Was kostet der Einstieg in die Lippenpflege-Produktion?
Die reinen Rohstoffkosten für einen Lippenbalsam liegen bei etwa 0,30–0,80 € pro Stück (Bienenwachs, Sheabutter, Kokosöl, Aroma). Dazu kommen Hülsen oder Tiegel (0,20–0,50 €/Stück), Etiketten und die einmaligen Fixkosten: Sicherheitsbewertung (ca. 300–500 €), Gewerbeanmeldung (20–60 €) und CPNP-Meldung (kostenlos, aber zeitaufwändig). Insgesamt kannst du mit 500–1.000 € Startkapital rechnen.
Kann ich Körperöle ohne Konservierungsstoffe verkaufen?
Ja, reine Körperöle ohne Wasserphase benötigen in der Regel keine Konservierung – das ist einer ihrer größten Vorteile für Einsteiger. Bakterien und Schimmel brauchen Wasser zum Wachsen. Allerdings können Öle oxidieren (ranzig werden), weshalb du ggf. Vitamin E (Tocopherol) als Antioxidans hinzufügst. Die Haltbarkeit hängt vom verwendeten Öl ab: Jojobaöl hält 2–3 Jahre, Hagebuttenöl nur 6–12 Monate.
Sind feste Shampoos schwieriger herzustellen als Seifen?
Ja, deutlich. Feste Shampoos basieren auf Tensiden (z. B. SCI – Sodium Cocoyl Isethionate), nicht auf Verseifung. Die Formulierung ist komplexer, der pH-Wert muss stimmen (5,0–5,5 für die Kopfhaut) und die Regulierung ist strenger, weil Tenside hautreizend sein können. Wir empfehlen feste Shampoos nicht als Erstprodukt – starte lieber mit Seifen oder Lippenbalsam und arbeite dich hoch.
Fazit: Das beste Einstiegsprodukt für dein Kosmetik-Business

Vom ersten Lippenbalsam zum professionellen Kosmetik-Business – der Weg beginnt mit dem richtigen Einstiegsprodukt
Wer Lippenpflege selber machen und verkaufen, Badebomben verkaufen oder mit Körperölen starten will, hat gute Chancen – vorausgesetzt, die Regulierung stimmt. Hier die wichtigsten Takeaways:
- Top für Einsteiger: Lippenbalsam und Körperöle – minimale Zutaten, keine Konservierung, niedrige Kosten
- Klassiker: Feste Seifen – einsteigerfreundlich, aber INCI-Deklaration beachten
- Fun-Faktor: Badebomben – Instagram-tauglich, aber Farbstoffe und Allergene prüfen
- Später erweitern: Feste Shampoos und Deo-Cremes – erst mit Erfahrung
- Für alle gilt: Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung, PIF, Etikettierung und GMP-Dokumentation
Starte klein, dokumentiere sauber und wachse Schritt für Schritt. Dein erstes Produkt muss nicht perfekt sein – aber es muss rechtskonform sein. Wer sich die Grundlagen von Anfang an draufschafft, baut ein stabiles Fundament für ein wachsendes Kosmetik-Business. Wie du deinen Online-Shop eröffnest, erfährst du im nächsten Schritt.
Egal welches Produkt – mit INCIkit dokumentierst du alles EU-konform
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Weiterführende Ressourcen
INCIkit Redaktion
Fachredaktion Kosmetik-Compliance
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