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Creme selber herstellen und verkaufen: Dein Weg zum eigenen Produkt

INCIkit Redaktion15 Min. Lesezeit
Frau rührt Creme an, umgeben von Ölen, Kräutern und Tiegeln – Creme selber herstellen und verkaufen

Deine Feuchtigkeitscreme ist besser als alles im Drogeriemarkt – Freunde und Familie bestätigen das bei jeder Gelegenheit. Aber darfst du sie einfach so auf Etsy oder dem Wochenmarkt verkaufen? Die gute Nachricht: Ja, du kannst deine Creme selber herstellen und verkaufen. Die wichtige Nachricht: Cremes sind regulatorisch anspruchsvoller als Seifen oder Lippenbalsam, weil sie Wasser enthalten – und Wasser bedeutet: Konservierung, Stabilitätstests und strengere Hygienestandards. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, was du beachten musst – mit konkreten Kosten, Praxistipps und den häufigsten Fehlern, die du vermeiden solltest.

Du suchst einen allgemeinen Überblick über alle fünf Schritte, die für jedes Kosmetikprodukt gelten? Dann lies zuerst unseren Leitfaden: Selbstgemachte Kosmetik legal verkaufen. Der vorliegende Artikel geht gezielt auf die Besonderheiten bei Cremes, Lotions und Emulsionen ein.

Cremes vs. Seifen: Warum Emulsionen besonders anspruchsvoll sind

Was macht eine Creme so viel komplizierter als eine Seife? Das Schlüsselwort heißt Emulsion. Eine Creme ist eine Mischung aus Wasser und Öl, die durch einen Emulgator stabilisiert wird. Diese Kombination bringt drei Herausforderungen mit sich, die bei wasserfreien Produkten wie Seifen, Bodybutter oder Lippenbalsam nicht existieren:

HerausforderungSeife / BalsamCreme / Lotion
Mikrobielles RisikoGering (kein freies Wasser)Hoch – Konservierung Pflicht
StabilitätStabil (feste Form)Kann sich trennen, ranzig werden
Challenge-TestSelten nötigFast immer Pflicht
Sicherheitsbewertung Kosten300–600 €500–1.000 €
Hygiene-AnforderungenStandard-GMPErhöht (sterile Werkzeuge, saubere Umgebung)

Das bedeutet nicht, dass du keine Creme verkaufen darfst – aber du musst mehr Zeit und Geld in die Vorbereitung investieren. Wenn du gerade erst anfängst, Creme selber machen und verkaufen zu wollen, lies die folgenden Abschnitte besonders aufmerksam.

Konservierung: Pflicht und häufigste Fehler bei DIY-Cremes

Konservierung ist bei Cremes nicht optional – sie ist die wichtigste Sicherheitsmaßnahme. Sobald dein Produkt Wasser enthält, können sich Bakterien, Hefen und Schimmelpilze vermehren. Ein unkonserviertes Produkt kann für den Verbraucher gefährlich werden – Hautinfektionen, Augenreizungen oder allergische Reaktionen sind mögliche Folgen.

Zugelassene Konservierungsstoffe

Die EU-Kosmetikverordnung (EC) 1223/2009 listet in Anhang V alle zugelassenen Konservierungsstoffe mit ihren Höchstkonzentrationen auf. Die gängigsten für kleine Creme-Hersteller:

KonservierungsmittelINCIMax. KonzentrationGeeignet für
PhenoxyethanolPhenoxyethanol1,0 %Cremes, Lotions
EthylhexylglycerinEthylhexylglycerin0,5–1,0 %Verstärker für Phenoxyethanol
Kaliumsorbat + NatriumbenzoatPotassium Sorbate, Sodium Benzoateje 0,5 %Naturkosmetik-geeignet (pH < 5,5)

Häufiger Fehler

Viele DIY-Hersteller glauben, Vitamin E („Tocopherol“) oder ätherische Öle würden ausreichend konservieren. Das stimmt nicht. Vitamin E ist ein Antioxidans (schützt Öle vor dem Ranzigwerden), aber kein Konservierungsmittel gegen Bakterien. Ätherische Öle haben antimikrobielle Eigenschaften, reichen aber bei weitem nicht für einen bestandenen Challenge-Test.

Haltbarkeit & Stabilitätstests: Was du vor dem Verkauf testen musst

Bevor du deine Creme herstellen und verkaufen kannst, brauchst du belastbare Daten zur Haltbarkeit. Der Sicherheitsbewerter benötigt diese Daten, um die Haltbarkeit festzulegen und das Produkt als sicher einzustufen.

Zwei Arten von Tests

1. Stabilitätstest (Langzeit + beschleunigt)

  • Raumtemperatur (20–25 °C): Prüfe nach 4, 8 und 12 Wochen Aussehen, Geruch, Konsistenz, pH-Wert und Farbe
  • Beschleunigte Alterung (40 °C): Simuliert schnellere Alterung – 3 Monate bei 40 °C entsprechen ca. 12 Monaten Raumtemperatur
  • Kältestabilität (4 °C): Wichtig für Emulsionen – manche trennen sich bei Kälte

2. Challenge-Test (Konservierungsbelastungstest)

Ein Labor beimpft dein Produkt gezielt mit Bakterien (Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Escherichia coli), Hefen und Schimmelpilzen. Nach 7, 14 und 28 Tagen wird gemessen, ob die Keimzahl ausreichend sinkt. Kosten: 150–400 € pro Produkt. Dauer: ca. 4–6 Wochen.

Praxis-Tipp: Tests parallel starten

Starte den Challenge-Test und den Stabilitätstest gleichzeitig mit deiner Sicherheitsbewertung. So sparst du 2–3 Monate Wartezeit. Der Toxikologe kann die Bewertung oft schon auf Basis der Rezeptur beginnen und die Testergebnisse nachreichen.

PAO-Symbol (Tiegel): Wann du es brauchst

PAO steht für „Period After Opening“ – der Zeitraum, in dem dein Produkt nach dem Öffnen sicher verwendet werden kann. Das PAO-Symbol ist der offene Tiegel mit einer Zahl (z. B. „6M“ für 6 Monate, „12M“ für 12 Monate).

PAO oder MHD – was brauchst du?

  • MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum): Pflicht, wenn die Haltbarkeit unter 30 Monaten liegt. Dargestellt als Sanduhr-Symbol + Datum
  • PAO-Symbol: Pflicht, wenn die Haltbarkeit über 30 Monate beträgt. Das betrifft die meisten gut konservierten Cremes
  • Beide zusammen: Nicht nötig – es gilt entweder MHD oder PAO

Für die meisten selbstgemachten Cremes gilt: Wenn deine Stabilitätstests zeigen, dass das Produkt mindestens 30 Monate haltbar ist, verwendest du das PAO-Symbol. Typische PAO-Werte für Cremes sind 6M (Tiegel ohne Spender) oder 12M (Pumpspender, weniger Kontaminationsrisiko).

Sicherheitsbewertung für Cremes: Besonderheiten bei Emulgatoren

Die Sicherheitsbewertung ist bei Cremes komplexer als bei Seifen, weil der Toxikologe zusätzliche Faktoren prüfen muss. Mehr zum allgemeinen Ablauf findest du in unserem Guide zur Sicherheitsbewertung. Hier die Creme-spezifischen Aspekte:

Was der Toxikologe zusätzlich prüft

  1. Emulgator-System: Welche Emulgatoren verwendest du? Sind sie für Leave-on-Produkte zugelassen? (Manche Emulgatoren sind nur für Rinse-off geeignet)
  2. Konservierungssystem: Reicht die Konzentration? Passt das System zum pH-Wert deiner Rezeptur? (Kaliumsorbat wirkt z. B. nur unter pH 5,5)
  3. Challenge-Test-Ergebnis: Besteht dein Produkt den Konservierungsbelastungstest nach den Kriterien der ISO 11930?
  4. Wasseraktivität (aw-Wert): Wie viel frei verfügbares Wasser hat dein Produkt? Je höher, desto strenger die Anforderungen an die Konservierung
  5. Phasentrennung: Ist die Emulsion langfristig stabil oder neigt sie zur Aufrahmung?

Kosten für Cremes vs. Seifen

Rechne für eine Creme-Sicherheitsbewertung mit 500 bis 1.000 € – das sind 100–200 € mehr als bei einer einfachen Seife. Der Aufpreis entsteht durch die zusätzliche Bewertung des Konservierungs- und Emulgator-Systems. Wer eine Gesichtscreme selber machen und verkaufen will, sollte dieses Budget einplanen.

INCI-Reihenfolge bei Cremes richtig erstellen

Die INCI-Liste für eine Creme folgt den gleichen Grundregeln wie bei jedem Kosmetikprodukt: Inhaltsstoffe über 1 % werden absteigend nach Gewichtsanteil sortiert, unter 1 % in beliebiger Reihenfolge. Bei Cremes gibt es aber einige Besonderheiten:

Typische INCI-Reihenfolge einer Creme

Beispiel: INCI-Liste Feuchtigkeitscreme

Aqua, Prunus Amygdalus Dulcis Oil, Cetearyl Alcohol, Glycerin, Butyrospermum Parkii Butter, Ceteareth-20, Phenoxyethanol, Ethylhexylglycerin, Tocopherol, Lavandula Angustifolia Oil, Linalool, Limonene

Besonderheiten bei Cremes

  • Aqua steht fast immer an erster Stelle – Wasser macht bei den meisten Cremes 50–80 % aus
  • Emulgatoren müssen deklariert werden – auch wenn sie nur 2–5 % ausmachen (z. B. Ceteareth-20, Glyceryl Stearate)
  • Konservierungsmittel stehen weit unten – typisch unter 1 %, also im hinteren Teil der Liste
  • 26 allergene Duftstoffe müssen ab einer Konzentration von 0,001 % (Leave-on) einzeln deklariert werden

Eine detaillierte Anleitung mit allen Regeln findest du in unserem INCI-Listen-Guide.

INCI-Liste für deine Creme automatisch erstellen

INCIkit sortiert deine Inhaltsstoffe automatisch nach Konzentration, kennt alle Emulgator- und Konservierungsmittel-INCI-Bezeichnungen und dokumentiert Chargen lückenlos.

GMP im Kleinen: Hygienestandards für deine Küchen-Manufaktur

GMP (Good Manufacturing Practice) nach ISO 22716 klingt nach Großindustrie – gilt aber auch für dich als Kleinstproduzenten. Bei Cremes ist Hygiene besonders kritisch, weil Wasser mikrobielles Wachstum fördert. Unser GMP-Leitfaden nach ISO 22716 erklärt die Details. Hier die wichtigsten Punkte für Creme-Hersteller:

Hände mit Handschuhen füllen handgemachte Creme mit einem Spatel in einen Glastiegel – GMP-konforme Herstellung

Hygienische Abfüllung mit Handschuhen – GMP auch im Kleinen

Separater Arbeitsbereich

Trenne Herstellung von Alltag – ein sauberer Tisch in einem separaten Raum reicht, aber die Küche während des Kochens ist nicht geeignet.

Desinfizierte Werkzeuge & Behälter

Alle Geräte, Spatel, Tiegel und Behälter vor Gebrauch mit 70 % Isopropanol desinfizieren oder auskochen. Besonders wichtig bei Cremes!

Schutzkleidung

Einweg-Handschuhe, saubere Schürze, Haare zusammengebunden. Kein Schmuck an den Händen.

Dokumentierte Reinigungsprotokolle

Notiere wann, wie und womit du deinen Arbeitsbereich und deine Werkzeuge gereinigt hast. Der Sicherheitsbewerter will das sehen.

Rohstoff-Lagerung

Öle kühl und dunkel lagern. Wasserhaltige Rohstoffe (Öl-in-Wasser-Emulsionen, Aloe-Vera-Gel) nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren.

Chargen-Dokumentation

Jede Produktionscharge bekommt eine eindeutige Nummer (z. B. „260319-01“). Notiere: Datum, verwendete Rohstoffe mit LOT-Nummern, Mengen, Herstellungsschritte, Temperatur, pH-Wert.

Verpackung & Etikett für Cremes und Lotions

Eleganter Glastiegel mit handgemachter Creme und Trockenblumen – Creme selber herstellen und verkaufen

Ansprechende Verpackung – aber alle Pflichtangaben müssen drauf

Bei Cremes und Lotions hast du mehr Verpackungsoptionen als bei Seifen – aber auch mehr zu beachten:

Tiegel vs. Pumpspender vs. Tube

VerpackungVorteileNachteilePAO
GlastiegelHochwertige Optik, wiederverwendbarFingerkontakt → höheres Kontaminationsrisiko6M
PumpspenderKein Fingerkontakt, hygienischTeurer, nicht alle Konsistenzen geeignet12M
AlutubeLuftdicht, hygienisch, guter SchutzMindestabnahme oft 500+ Stück12M

Etikett: Die 8 Pflichtangaben

Für Cremes gelten die gleichen 8 Pflichtangaben wie für alle Kosmetikprodukte (Art. 19 EU-VO): Produktfunktion, Name/Anschrift, Nenninhalt, MHD oder PAO, Vorsichtsmaßnahmen, Chargennummer, INCI-Liste und Ursprungsland. Besonders bei Cremes wichtig:

  • Nenninhalt in ml (nicht Gramm wie bei Seifen)
  • PAO-Symbol ist fast immer nötig (Cremes halten meist über 30 Monate)
  • Aufbewahrungshinweis (z. B. „Kühl und trocken lagern“) ist empfohlen

Alle Details zu Etikettierung und PIF findest du in unseren Artikeln zum PIF-Praxisleitfaden und zur CPNP-Meldung. Wenn du gerade erst anfängst, eine Bodylotion selber machen und verkaufen zu wollen, empfehlen wir dir auch den Überblick zur EU-Kosmetikverordnung 2026.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich meine selbstgemachte Creme konservieren, wenn ich sie verkaufen will?

Ja, unbedingt. Jede Creme enthält Wasser, und Wasser ist der ideale Nährboden für Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Ohne wirksames Konservierungssystem kann dein Produkt innerhalb weniger Tage verkeimen. Die Sicherheitsbewertung wird ohne Challenge-Test (Konservierungsbelastungstest) in der Regel nicht bestehen. Zugelassene Konservierungsstoffe findest du in Anhang V der EU-Kosmetikverordnung.

Was kostet es, eine Creme für den Verkauf zuzulassen?

Für dein erstes Creme-Produkt solltest du mit 600 bis 1.500 € rechnen. Die Sicherheitsbewertung kostet 300–800 €, der Challenge-Test 150–400 €, Stabilitätstests ca. 100–300 €. Hinzu kommen Gewerbeanmeldung (20–60 €) und Verpackung/Etiketten. Cremes sind teurer als Seifen, weil der Challenge-Test fast immer Pflicht ist.

Wie lange muss ich Stabilitätstests durchführen?

Mindestens 3 Monate bei Raumtemperatur (20–25 °C), zusätzlich beschleunigte Alterung bei 40 °C und Kältestabilität bei 4 °C. Prüfe regelmäßig: Aussehen, Geruch, Konsistenz, pH-Wert, Farbe. Für eine MHD-Angabe von 12 Monaten empfehlen viele Toxikologen mindestens 6 Monate Echtzeit-Stabilitätsdaten.

Brauche ich für eine Gesichtscreme und eine Bodylotion zwei separate Sicherheitsbewertungen?

Ja. Jede Rezeptur braucht eine eigene Sicherheitsbewertung – selbst wenn sich nur die Konzentration eines Inhaltsstoffs unterscheidet. Allerdings bieten viele Toxikologen Rabatte für Produktfamilien an, wenn die Grundrezeptur ähnlich ist. Frage vorab nach einem Paketpreis.

Kann ich Creme ohne Emulgator herstellen und verkaufen?

Technisch ja – es gibt wasserfreie Produkte wie Bodybutter oder Balsame, die keinen Emulgator benötigen. Diese fallen aber nicht unter „Cremes“ im engeren Sinne. Sobald du Wasser und Öl in einer Emulsion verbinden willst (das ist eine Creme), brauchst du einen Emulgator. Ohne Emulgator trennen sich die Phasen und das Produkt ist instabil.

Fazit: Creme selber herstellen und verkaufen – machbar, aber mit Respekt vor der Regulierung

Creme selber herstellen und verkaufen ist anspruchsvoller als Seifen oder Lippenbalsam – aber absolut machbar, wenn du die Besonderheiten bei Emulsionen kennst. Konservierung ist Pflicht, Stabilitätstests und Challenge-Test sind unverzichtbar, und die Hygieneanforderungen sind höher als bei wasserfreien Produkten. Aber lass dich davon nicht abschrecken: Tausende Kleinproduzenten im DACH-Raum verkaufen erfolgreich ihre handgemachten Cremes.

Investiere in eine solide Rezeptur, arbeite von Anfang an sauber und dokumentiere alles. Die Gesamtkosten für dein erstes Produkt liegen bei 600 bis 1.500 € – danach wird jedes weitere Produkt günstiger. Und wenn du mit einer einfachen Seife startest, sammelst du wertvolle Erfahrung, bevor du dich an Cremes wagst.

Rezeptur digital verwalten und INCI automatisch generieren

INCIkit hilft dir, deine Creme-Rezepturen zu verwalten, INCI-Listen mit korrekter Sortierung zu erstellen und Chargen lückenlos zu dokumentieren – alles an einem Ort.

Weiterführende Ressourcen

INCIkit Redaktion

Fachredaktion Kosmetik-Compliance

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